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Ein Versuch

Zwei tolle Kurstermine liegen hinter uns. Vor zwei Wochen hat uns Frau Professorin Papenbrock an der Leibnizschule besucht und uns erzählt, wie ihre Arbeitsgruppe mit Quinoa arbeitet, warum sie Wissenschaftlerin geworden ist und wie das Leben einer Wissenschaftlerin aussieht. Dazu hat sie uns super ausgestattet, Quinoa Samen, Petrischalen und Filterpapier mitgebracht, so dass unsere Schülerinnen bald selber loslegen können.

Ich fand es sehr spannend, wie Frau Professorin Papenbrock erzählt hat, wie reizvoll für sie an der Wissenschaft unter anderem die Zusammenarbeit mit Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft ist und sie hat uns auf einem Foto ihre Arbeitsgruppe vorgestellt. Und da habe ich mich zurückerinnert an mein erstes Semester und die wahnsinnig scharfen Paprikabrote eines Freunds aus dem Senegal.

Wir haben das große Glück, dass uns Frau Professorin Papenbrock das Schulhalbjahr über begleiten wird und am Ende unserer Experimente werden wir und die Schüler*innen sie in der Uni besuchen und zusammen die Ergebnisse besprechen.

Letzte Woche hatten wir dann unsere erste wichtige Einführung zum wissenschaftlichem Arbeiten und dazu haben wir Sarah live per Skype aus Berlin zugeschaltet. Sie hat den Schüler*innen anhand ihrer eigenen Arbeit an Fruchtfliegen (für die Zoologen unter euch: an Drosophila suzukii hat sie die Ausbreitung in Kanada untersucht) erklärt, wie ein wissenschaftliches Experiment aussieht: Thema finden, Recherchieren und Hypothese aufstellen, Experimente und die Datensammlung planen, Experiment durchführen, Daten analysieren: Hypothese abgleichen und Ergebnisse publizieren.

Das sind die Grundpfeiler des wissenschaftlichen Arbeitens. Jede wissenschaftliche Arbeit – egal ob unsere Keimversuche mit Quinoa oder die milliardenteure Suche nach geheimnisvollen Partikeln im Teilchenbeschleuniger in CERN – beruht auf diesen Prinzipien und das war der erste wichtige Einführungsblock für unsere Schüler*innen.

Und wenn man sich jetzt diese Prinzipien anschaut und verdichtet auf Hypothese, Test und Ergebnis, dann gibt es sehr viele Überschneidungen, mit dem, was Eric Ries in seinem berühmten Startup Buch „Lean Startup“ (1, siehe unten) als Rezept für die Gründung eines Startups vorschlägt. Genau wie in der Wissenschaft beruht auch hier alles darauf, ein Hypothese aufzustellen, dann ein Experiment zu machen, dabei Daten zu gewinnen und basierend auf diesen Daten zu entscheiden, wie ich weitermachen soll mit der Ausrichtung des Startups. Und genau wie in einem wissenschaftlichen Experiment muss man vorher genau die Variablen festlegen, die man untersuchen und im Verlauf des Experiments abändern will.

Und genau bei diesen Variablen gibt es aus unserer Sicht bei der Gründung eines publizistischen Startups durchaus Diskussionsbedarf in Abgrenzung zu Konzepten wie „Lean Startup“, die vor allen Dingen auf Web und Software Startups ausgerichtet sind. Denn dort ist der wichtigste Indikator, anhand dem alle Daten ausgewertet werden, das Wachstum der untersuchten Variable. Je mehr desto besser. Klingt erst einmal logisch, bei einem publizistischem Startup aber aus unserer Sicht durchaus problematisch. Warum? Das versuchen wir, euch in einem unserer nächsten Artikel darzulegen.

Und morgen geht es erst einmal weiter mit unseren Wissenschafts-Experimenten an der Leibniz-Schule. Die Schülerinnen haben Vorversuche angelegt und die wollen wir morgen zusammen auswerten. Wir freuen uns und sind gespannt.

Sarah und Alexander

(1) Eric Ries Webseite „startuplessonslearned“